Dokumentationszentrum Familiengeschichten (2019-2020)

Jüdisches Leben in Colmberg

 

Fast 300 Jahre lang bestand im mittelfränkischen Markt Colmberg eine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Einwohner lebten „mittendrin“. Tür an Tür mit den christlichen Nachbarn gab es gemeinschaftliches Leben, Alltag und Feiern. Erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts verließen immer mehr jüdische Familien ihren Heimatort und suchten andernorts ihr Glück. Eine ganz besondere Karriere gelang dem US-amerikanischem Musiker Billy Joel, dessen Vorfahren aus Colmberg stammten. Nationalsozialistischer Terror verfolgte die übrigen, in Colmberg noch ansässigen jüdischen Familien, nur wenige konnten fliehen. Die Gemeinde setzte sich 2017 ein großes Ziel: Sie wollte an ihre früheren jüdischen Nachbarn erinnern, jahrelang hatte ein Ortshistoriker die jüdische Ortsgeschichte recherchiert.

Für die Ausstellung im Ortskern erarbeiteten wir eine Konzeption, in deren Zentrum die Begegnungen mit den Frauen, Männern und Kindern der einst hier lebenden jüdischen Familien stehen. Ein mehrstufiges didaktisches Konzept mit historischem Bildmaterial, Archivalien und Hörstationen ermöglicht ein mehrgenerationenorientiertes Eintauchen in die jüdischen Familiengeschichten. Im Themenfeld Bewegungen sind die audiovisuellen Medienangebote von besonderer Bedeutung, da sie eine tiefere Beschäftigung mit dem Weggehen der jüdischen Familien aus Colmberg ermöglichen und zur Spurensuche an anderen Orten mit jüdischer Vergangenheit ermuntern.

Die Ausstellung versteht sich als Plattform für Geschichte, Gegenwart und Zukunft – sie ist täglich frei zugänglich.

„Kultur“ ist das, was unsere Gesellschaft zusammen hält.

„Kulturarbeit“ ist die Mühe, die aufzuwenden ist, damit das so bleibt.